Die Mauer der Tränen

Die Kinder wollten heute einen faulen Tag machen, die schlaflose Nacht wegen des lauten Gottesdienstes hatte sie fertig gemacht. Ursprünglich wollten wir Räder mieten und dann ins Landesinnere fahren. Wir hielten Familienrat und beschlossen dann, dass Silas und Cayo den Morgen faul zu Hause verbringen und Flo und ich die Radtour machen würden. Mit Mountainbikes ausgerüstet (diesmal echt noble, sie hatten sogar eine Scheibenbremse: später wusste ich auch warum) fuhren wir los. Wir wollten zur Mauer der Tränen, eine 7 Meter hohe aufgetürmte Mauer aus Lavasteinen. Sie wurde während der Zeit, als Isabela ein Strafgefangenenlager war von den Sträflingen gebaut. Sie hatte keinen Zweck, nur den, die Gefangenen zu demütigen. Viele Menschen verloren beim Bau der Mauer und während dieser Zeit (1946-59) ihr Leben.

Mit dem Rad ging es den sandigen Weg parallel zum Strand entlang. Am Eingang des Parks war wieder ein Parkwächter, wir mussten uns eintragen und bekamen nochmals die Regeln erklärt. Der Weg war idyllisch an den Mangroven entlang. Immer wieder stießen wir auf Iguanas, die einfach mitten auf dem Weg lagen. Ich war sehr froh über unsere guten Mountainbikes und vor allem über die Schiebnbremsen, da der Weg recht staubig und voller Schotter war. Wir mussten vorsichtig um die Kurven fahren, da wir nie wussten, ob der Weg von Iguanas oder Landschildkröten versperrt war. Die Schildkröten, die wir sahen, waren wunderschön. Obwohl wir mittlerweile unzähligen davon begegnet sind, ist es immer wieder ein schöner Moment, wenn man ihnen begegnet und sie einen anlächeln. Unglaublich, was für eine Ruhe und Gelassenheit diese Tiere ausstrahlen. Eine der Schildkröten versuchte geradewegs über einen wirklich großen Lavabrocken drüber zu klettern. Sie wurde dabei ganz hochbeinig. Immer wieder machte sie eine Pause, bis uns schließlich die Luft (Geduld) ausging und wir weiterfuhren. Auf dem Weg gibt einen Aussichtspunkt von dem wir einen wunderbaren Ausblick hatten. Mit so viel Weitblick hatten wir den Kopf frei, um neue Gedanken, Ideen und Überlegungen zu machen und uns über die vielen Möglichkeiten, die wir haben bewusst zu werden. Es war dann nur noch ein kurzes Stück zu der Mauer der Tränen. Sieben Meter aufgetürmte Lavasteine lagen vor uns. Wenn man so direkt vor ihnen stand, war das sehr beeindruckend. Hier draußen war es recht heiß und staubig. Ich bekam eine kleine Idee davon, wie es gewesen sein musste für die Gefangenen, die diese Steine hierher schleppten und aufeinanderstapeln mussten. An der Mauer vorbei kann man auf einen Berg steigen und von dort aus bis zum Meer sehen. Dort oben hatten die Amerikaner eine Radarstation aufgebaut. Galapagos war für die Amerikaner nach dem Krieg ein strategisch wichtiger Stützpunkt, da sie sicher gehen wollten, nicht ein weiteres Mal von den Japanern überrascht zu werden. So waren nach dem Krieg ca. 5000 Amerikaner auf Galapagos stationiert.

Der Blick in weite beflügelt die eigenen Gedanken und Ideen. Es war einfach schön, in dieser Stille in die Weite zu blicken und über unsere Zukunft nachzudenken.

Die Rückfahrt verlief nicht ganz so zügig, da sich Flo einen Platten einfing und den Rest schieben musste.

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