Das Taxi holte uns 10 Minuten zu früh von unserem Hostal ab. So etwas hatten wir in Südamerika noch nie erlebt. Wir hatten noch nicht mal gefrühstückt , Flo und Cayo waren noch beim Bäcker.
Am frühen Morgen fuhren wir mit einem der Pickup-Taxis in Richtung Landesinnere zu den Vulkanen. Die Kinder waren entzückt, dass sie endlich mal hinten auf der Ladefläche sitzen durften. Die Fahrt war holprig. Schnell hatten wir das Dörfchen Puerto Villamil hinter uns gelassen und schossen mit gefühlter weit überhöhter Geschwindigkeit (also 50km ist er nie und nimmer gefahren) ins Landesinnere. Ein kalter Wind pfiff und um die Ohren, wir mussten uns festhalten, da es immer wieder Kurven und Kuppen gab, über die wir gefühlt schanzten. Die Kids jauchzten vor Freude. Ich brauche für die nächsten 2 Jahre keine Dippemess oder Volksfest mehr. Je tiefer wir ins Hochland fuhren, desto mehr änderte sich die Landschaft. Die karge und mit Kakteen bewachsene Fläche an der Küste wechselte in immer mehr grüne Fläche. Jede Menge Orangenbäume und Bananenstauden bekamen wir zu Gesicht und an vielen Bäumen wuchs regelrecht Mooslammetta. Gut durchgeschüttelt stiegen wir von der Ladefläche herunter. In unserer Gruppe waren noch Ivan, ein Ecuadorianer aus New York, der seine Familie hier auf Galapagos kennenlernen wollte und ein kanadisches Pärchen. (Die drei hatten die Fahrt vorne auf den Sitzen beim Fahrer verbracht).
Die nächsten Stunden waren heiß und staubig. Der Aufstieg war recht beschwerlich, da es ziemlich heiß wurde und unser Guide losspurtete. Der Vulkan darf nur mit einem Guide bestiegen werden und jeder Guide hat nur einen bestimmten Timeslot mit seiner Gruppe. So marschierten wir flott durch den rotbraunen Staub immer höher bis zum Rand des Kraters hinauf. Mit über 1000m Höhe ist er nicht gerade niedrig. Er ist einer der aktivsten Vulkane auf Galapagos und brach das letzte Mal 2005 aus. Der steile und beschwerliche Aufstieg wurde mit einem gigantischen Ausblick in den zweitgrößten Krater der Welt belohnt. Da er 2005 ausgebrochen war, konnte man die schwarze erklatete Lava im Krater gut erkennen.
Wieder einmal wurde ich beim Anblick der Wunder der Schöpfung ganz demütig. Der Blick in die Weite war einfach unbeschreiblich, dazu ein herrliches Wolkenspiel am strahlend blauen Himmel und das Glitzern der Lavasteinen um einen herum. Die Lavasteine haben viele Lufteinschlüsse, so dass die herumliegenden Lavabrocken sehr leicht zum Anheben sind. Vom Sierra Negra aus wanderten wir am Krater entlang zu den kleinen Nebenvulkanen (El Chico) und konnten zu einigen der anderen Vulkanen sehen. Recht weit entfernt liegt der Vulkan Wolf, durch ihn geht auch der Äqautor. Der Rückweg war anstrengend, da wir unser Zeitfenster schon überschritten hatten und uns die nachfolgende Gruppe bereits begegnete. Die Hitze und die nicht gemachten Pausen machten den Kids zu schaffen. So durften wir dann Cayo, der absolut keine Lust mehr hatte, motivieren. Dadurch war dieser Ausflug nicht nur körperlich für uns eine Herausforderung, sondern auch psychisch: wir übten uns in Gelassenheit und als Motivationstrainer. Als die Kids wieder auf der Ladefläche des Taxis saßen, schien sich der ganze Frust in Luft aufgelöst zu haben. Auf dem Weg zurück begegneten uns immer wieder herrenlose Pferde, die auf der Straße liefen oder am Straßenrand grasten. Dreckig, verschwitzt und müde kamen wir wieder im Hostal an. Selten hatte ich mich so sehr über eine Dusche gefreut.