Manchmal gibt es Tage, die würde ich am liebsten außerplanmäßig abschreiben. Einfach anerkennen, dass es blöd lief und aus der Buchhaltung, in diesem Fall aus dem Gedächtnis streichen. Wir kamen mit einer kleinen 12-Sitzigen Propellermaschine an (eine Chessna für die Flieger) und als wir auf Pemba landeten wollten wir einfach nur ankommen und uns erholen. Wir waren echt müde. Vor dem Miniflughäfelchen gab es eine Menge Taxifahrer, die um Kunden warben. Wir fuhren mit unserem Gepäckwagen raus und verhandelten mit einem der Fahrer den Preis aus. Ich hatte mit Flo besprochen, dass wir auf der Fahrt zur Lodge (ca. 1 Stunde) über die nächste Stadt fahren, um am Geldautumaten noch Schilling abzuheben. Wir fuhren also los. Flo vorne neben dem Fahrer, wir 3 hinten drin. Alles super, alles paletti. Gutes Auto mit Klimaanlage. Wir waren ca. 5 Minuten gefahren als Flo den Fahrer bat, in der Stadt beim nächsten Geldautomaten zu halten. „Kein Problem!“ so die Antwort des Fahrers. Wie all die anderen Taxifahrer telfonierte auch dieser Fahrer ständig. Dann sagte er, dass er kurz zurück zum Flughafen müsste, er hätte dort etwas vergessen. Nach der Geschichte mit dem Überfall von Anne und Phillip war ich etwas aufmerksamer und fragte nach, was er denn vergessen hätte. „Ein Päckchen“ Also gut, wir drehten um in Richtung Flughafen. Als wir dann wieder am Flughafen waren, wartete bereits ein weiteres Auto, dem wir folgten. „Ich fragte, warum er das Päckchen denn nicht mit ins Auto nehmen würde“, Der Fahrer lächelte „Hakuna Matata!“ alles ist gut! Er folgte weiterhin dem Auto, das meines Erchatens nach auch einen anderen Weg einschlug. In diesem Moment waren vie 4 alle hellwach. „Stop“ riefen wir alle im Chor. „Du bringst uns sofort zum Flughafen zurück!“ meinte ich sehr bestimmt und Flo legte die Hand auf die Gangschaltung (es war ein Automatik-Auto). Da merkte der Fahrer, dass wir es ernst meinten und hielt an. Er wollte gerade zum Handy greifen, als Flo ihm das Handy aus der Hand nahm und zu uns nach hinten gab. „Und du wendest jetzt sofort!“ Flo sah dem Fahrer in die Augen. Dann wendete er langsam und wir fuhren zum Flughafen zurück. Wir stiegen aus und ich versuchte hinten den Kofferraum zu öffnen, der jedoch abgeschlossen war. Flo hatte immer noch sein Handy als Pfand und so öffnete er uns den Kofferraum und wir luden unser ganzes Gepäck wieder aus. Die Kids und wir waren echt geschockt und gleichzeitig war ich so stolz auf uns, dass wir alle so gut zusammengearbeitet hatten, um uns nicht unterkriegen zu lassen. Die Kids suchten Nähe und wir versuchten nun die Lodge zu erreichen, bei der wir übernachten sollten, ob sie uns ein Taxi schicken könnten. Wir hatten Null Lust mehr, uns igrendeinem der Taximenschen anzuvertrauen. Wir gingen zurück in den Vorraum des Flughafens. Dort darf man nur mit einem Flugticket sein. Ich versuchte dem Sicherheitsmenschen zu erklären, dass wir gleich weg sein werden. Leider stellte sich die Nummer, die bei booking.com angegeben war, als eine Nummer in Amrika heraus, auf der niemand erreichbar war. Einer der Leute sah, dass wir doch recht zerknittert aussahen und sagte, dass er einen vertrauenswürdigen Taxifahrer für uns suchen würde. Dann kam auch endlich ein etwas älterer Mann. Den können wir leicht überwältigen, war mein erster Gedanke. Wie saßen nun im kleinen Auto, einen Rucksack auf dem Schoß und keiner Klimaanlage und tuckerten in Richtung Lodge. Flo saß daneben und verflogte auf Googlemaps genau, welchen Weg er einschlug. Die Kinder kuschelten sich ganz eng an mich und schliefen dann auch bald ein. Als der Mann einen anderen Weg einschlug, als Flo dachte, fragte Flo sofort, wohin er denn fahren würde. Der arme Mann! Wir waren so mißtrauisch geworden. Er hatte einfach eine Parallelstraße gewählt. Auf dem letzten Viertel machte es dann ein sehr komisches Geräusch und das Auto wurde immer langsamer. Der Fahrer hielt an und schaute nach dem Reifen. Der rechte hintere Reifen schien platt zu sein! Auch das noch! Erst die Kreditkarte weg, dann die Taxistory und nun auch noch einen platten Reifen. Zum Glück schliefen die Kinder, die würden sonst einen Föhn bekommen. Im Schritttempo fuhren wir weiter. Immerhin ging es voran. Ich war echt fix und foxi als wir dann schließlisch und endlich (Flo sah, dass die Adress, die bei booking.com angegeben war, eine andere war). Jetzt wollte ich nur noch eins, ins Bett und meine Ruhe haben. Der Typ der Lodge empfing mich mit den Worten, welchen Preis wir denn bei booking.com in der Buchung hätten. Seit 2 Wochen würden die falschen Preise im Netz stehen. Die Kids waren hundmüde und setzten sich einfach auf die Stufen vor dem Eingang. Ich zeigte ihm die Buchung: 25 Euro eine Nacht. „Das ist der falsche Preis. Wir verlangen hier 25 Euro pro Person!“ War ich nun im falschen Film? Wir wollten nur 1 Nacht bleiben und morgen früh um 4:30 morgens wieder losfahren , um mit dem Flieger nach Arusha zu fliegen. Was sollte denn das ganze Theater. Außerdem verhielt sich der Typ total unfreundlich. Er sagte, dass er ein Doppelzimmer für 65 Dollar hätte. „Das ist ja wunderbar. Dann nehmen wir das Doppelzimmer. Die Kids schlafen ja sowieso in unserem Bett.“ Nein, also das geht überhaupt nicht. Er müsste mit seinem Chef sprechen. Das tat er auch und meinte, dass es nicht ginge. Das Einzige, was er anbieten könne, wären 85 Dollar im 4er Zimmer. Am liebsten hätte ich dem Typ eine reingehauen, so sauer war ich. Da wir jedoch an einem sehr abgeschiedenem Ort waren und ich müde und genervt war, gab ich klein bei. Wir hatten dann unser Zimmer mit eignem Bad und WC, bei dem nicht einmal die Spülung funktionierte. Wir ruhten uns kurz aus, um dann loszuwandern und nach dem angeblich schönen Strand zu schauen und nach etwas Essbarem. Wir wanderten ein wenig in Richtung Strand, der alles andere als schön war. Ein Teil war abgesperrt und industirell genutzt und am anderen Teil saßen die Fischer und die Boote. Dann weiter in Richtung Städtchen, um nach etwas Essen zu suchen. Wir hatten unsere letzten Schillinge zusammengekratzt, so arg viel war es nicht. Das würde für kein Festmahl reichen. Die Stimmung war am Tiefpunkt. Dir Kids waren immer noch sehr zerknittert durch das Erlebnis im Taxi. Ich versuchte die Kids aufzumuntern , indem ich ihnen sagte, dass wir uns nicht die Butter vom Brot nehmen lassen und wir uns erfolgreich gewehrt hatten. Dann fanden wir einen Straßenstand, an dem wir so richtig schlemmten: Naam Chapatti, Samosas, und irgendwelche Kartoffel-Fleischklöße, die richtig lecker waren. War das eine Wohltat! Auf dem Rückweg sahen wir dann hundete von Fledermäusen über uns in der Luft kreisen. Was für ein gigantischer Anblick.
Der Typ von der Lodge begrüßte uns und sagte, dass er mit bokking.com telefoniert hätte und gesagt hätte, dass wir nicht geblieben sind, weil uns der Preis zu hoch gewesen war. Ich dachte wirklich, dass ich mich verhört hatte. Wollte der uns verarschen?
Heute war ein Tag, an dem wir viele Lektionen in Sachen Gelassenheit lernen durften.
Ich war gottfroh, als wir im frühen Morgengrauen von der Lodge losfuhren in Richtung Flughafen.
Pemba – DAS Inselparadies? Das ist es für uns momentan leider nicht. Vielleicht gebe ich der Insel später nochmals eine Chance. Jetzt bin ich erst mal froh, mit Pemba nichts mehr am Hut zu haben.