Seit ich denken kann, habe ich mir immer einmal gewünscht, einen Elefantenrüssel zu streicheln. Nun könnte ich endlich mal die Gelegenheit bekommen, ihn mir zu erfüllen. Nämlich im Elfefantenwaisenhaus des David Sheldrick Wildlife Trust. Hier zieht Daphne Sheldrick mit ihrem großen Team seit über 40 Jahren Elefantenwaisen groß, um sie dann später wieder in die Wildnis zu entlassen. Ein sehr erfolgreiches Projekt, denn es wurden bereits 200 Elefanten ausgewildert. Um die Elefanten in der Wildnis nicht den Wilderern auszuliefern, haben sie ihr Engagement ausgedehnt und Hubschrauber und Flugzeuge gekauft, mit denen sie über den Nationalparks patrouillieren.
So viel zur Organisation. Touris, die die Elefanten bestaunen möchten, können dies einmal täglich für 1 Stunde. Dann nämlich, wenn sie um 11.00 Uhr ihre Mahlzeit bekommen. Momentan leben ca. 30 Elefantenwaisen hier. Wir warten alle brav vor dem Tor, um dann einen guten Platz ergattern zu können. Cayo und Silas sind sehr aufgeregt. Wie es wohl werden wird. Der Parkplatz wird immer voller und 10 Minuten vor 11.00 Uhr habe ich das Gefühl Montagmorgens bei Aldi vor der Türe zu stehen, da es etwas unheimlich Tolles zu kaufen gibt. Dann wird das Tor geöffnet und die Menge setzt sich in Bewegung. Hier gibt es jedoch was viel, viel besseres als Zeug von Aldi! Wir stellen uns um eine Fläche, die durch ein Seil abgegrenzt ist und warten, bis die Elefanten kommen. Der Sprecher stellt jeden einzelnen Elefanten vor. Auf der Fläche warten bereits die Pfleger mit ihren „Fläschchen“, das sind 5 Liter Flaschen mit Milch. Daphne Seldrick viele Jahre an der Rezeptur gearbeitet, um sie möglichst nahe an die Muttermilch zu kommen. Die Babyelefanten brauchen für 3 Jahre alle 3 Stunden ihre Milch, sonst sterben sie. Und dann fühle ich mich in meine Kindheit versetzt, denn die erste Gruppe, die ganz Kleinen, laufen oder vielmehr rennen und stolpern auf die Fläche geradezu auf einen Pfleger, der eine Milchflasche in der Hand hält. Ich denke, dass ich mitten in Hatari, dem Kinofilm, den ich als Kind über alles liebte, geraten bin. In 2 Minuten sind die 5 Liter weg und schon gibt es die zweite Flasche. Es ist einfach rührend zuzusehen, wie die trinken. Einige der Elefanten können die Flasche sogar mit dem Rüssel selbst halten. Während ich gar nicht weiß, wo ich zuerst hinschauen soll, erzählt der Pfleger das Schicksal von jedem der Waisen. Einige Mütter wurden von Wilderern erschossen, andere sind Opfer der großen Dürre, die momentan in Kenia herrscht. Nachdem die Babys getrunken haben, kommen sie zu den Tonnen mit Wasser, um zu trinken oder mit dem Wasser zu spielen. Sie haben genug Platz, um für sich zu bleiben. Viele von ihnen suchen jedoch den Kontakt zu den Touristen und begrüßen uns mit ihrem Rüssel. Ein Elefant ist ganz witzig. Er nimmt sich Wasser in seinen Rüssel, trinkt und den letzten Rest, der noch in seinem Rüssel ist, schleudert er in die Menge, um den Menschen eine Dusche zu bescheren. Wenn man ihm in die Augen sieht, merkt man sofort, wie viel Spaß er dabei hat.
Ein kleiner Elefant ist ganz interessiert an Cayos Flipflop und rüsselt Cayos Füße ab und läßt sich streicheln. Was für ein unbeschreibliches Gefühl, so einem kleinen Elefanten über den Rüssel zu streicheln. Der hat ganz schön viele Haare und die Haut ist doch recht fest und hart. Ich bin völlig beseelt. Das ist wie 1000 Schmetterlinge im Bauch, wenn so ein Kindheitstraum sich erfüllt. Am liebsten hätte ich mir den Elefanten eingepackt…. Wir fragen nach seinem Namen. Maisha, ein kleines Elefantenmädchen. Für uns ist klar, wir wollen sie adoptieren. Das geht auch hier in Form einer Patenschaft mit Urkunde und monatlichem Bericht, wie es dem Patenkind geht. Als wir nach einer Stunde das Gelände verlassen sind wir völlig beseelt und haben ein neues Familienmitglied.
Für die Leute, die einen Elefanten adoptieren, gibt es die Möglichkeit, dass sie den Elefanten abends zwischen 17.00 und 18.00 Uhr dabei beobachten können, wie sie von draußen in den Stall kommen und „bettfertig“ gemacht werden. Klar, dass wir heute Abend wieder hier sein werden (auch wenn die einfache Fahrt ca. 1 Stunde dauert), um Maisha gute Nacht zu sagen.