Das haben wir uns ganz anders vorgestellt: die Hippi WG @ Juliane & co

Ich habe was unsere Unterkünfte anbelangt in den letzten 6 Monaten schon echt viel erlebt, die Erfahrung hier übertrifft jedoch alles. Schon im Vorfeld war es ein Hick Hack bein hin- und hermailen. Ich hatte zuerst eine Unterkunft in für uns 4 in einem 6 Betten Schlafssal gebucht. Am nächsten Tag schrieb ich eine Mail, ob wir nicht noch 2 Personen zusätzlich bezahlen könnten, damit wir das Zimmer für uns hätten. Der gute Mann schrieb, dass wir nur für 4 bezahlt haätten. Offenbar hatte er nicht gelesen, was ich geschrieben hatte. Er bot mir daraufhin für uns 4 nicht weit vom gebuchten Ort ein 4er Zimmer für uns an. Bessere Lage etc. und schickte mir den anderen air bnb Link dazu. Ich fragte ihn, ob er unsere Buchung dann stornieren könnte, damit ich die neue Unterkunft buchen kann. Doch er ignorierte meine Bitte völlig. Als wir dann in Dubai um 4.20 Zeit Kenia, 5.20 Zeit in Dubai landeten, warteten wir bis um 9.00 Uhr und schrieben ihn an, ob wir schon früher ins Zimmer könnten (wir waren fix und foxi!) als Antwort kam nur „My Dear, 12.00 ist the check in time!“ Also verbrachten wir die restlichen Stunden schlafend bei der Gepäckausgabe. Mich wunderte es wirklich, dass uns niemand ansprach. Aber es war auch kaum etwas los. Dann mit dem Uber Taxi in Richtung neue Heimat. Wir hatten die Adresse bekommen, doch der Fahrer konnte es nicht finden. Daher rief er den Vermieter nochmals an. Dieser gab ihm dann eine andere Adresse, denn die neue Adresse hatte er uns gar nicht gegeben. Schließlich waren wir da. Als ich die Wohnung betrat, traute ich meinen Augen nicht. Es handelte sich um eine Wohnung mit 3 Zimmern, einer winzigen Küche und einem Bad (in dem das WC drin ist). Ein Zimmer besetzt der Vermieter mit seiner Frau und die anderen beiden Zimmer vermietet er. Als ich unser sogenanntes Zimmer sah, traf mich fast der Schlag. Das Zimmer war ca. 8 Quadratmeter groß mit einem Doppelbett (und oben noch ein Stock-Bett drauf) und auf der anderen Seite ein Einzelbett. Wir waren jedoch nicht alleine im Zimmer. Unser Zimmer war durch Paravants und Schränke abgetrennt und hinter dem Paravant mussten noch mehr Menschen leben. Im ersten Moment war es mir piepegal. Wir waren so müde, dass wir uns nur auf die Betten legten, den Paravant schlossen und schliefen. Unsere erste Nacht war anstrengend, da wir früh ins Bett wollten und die Leute nebenan noch bei sich Licht hatten, so dass die ganze Helligkeit zu uns rüberschien. Aber auch das ging vorüber. Am nächsten Morgen sprach ich mit dem Vermieter nochmals und sagte ihm, dass ich mir das hier anders vorgestellt hätte. Ich würde gerne unser eigentlich gebuchtes 6er Zimmer sehen und umziehen. Der gute Mann lächelte mich nur an und meinte, dass er mit meinem Mann vereinbart hätte, dass wir hier wohnen. Als ich ihn darauf hinwies, dass wir ein EIGENES Zimmer haben wollten, meinte er, dass er dies ausdrücklich so beschrieben hätte. Da ich die ganze Korrespondenz geführt hatte, wusste ich um was es ging und dass die ein hoffnungsloser Fall war. Es gab zwei Möglichkeiten: wir würden uns hier arrangieren oder sofort alles wieder einpacken und weiterziehen. Mit Flo berieten wir eine Weile und schauten auch, was es sonst noch gab. Dann beschlossen wir, das ganze mit Humor zu nehmen und als Hippi WG zu deklarieren.

Als ich nachts auf die Toilette ging, schlief ein Mann auf dem Sofa. Sogar das Sofa hatte er vermietet!

Man wächst ja an seinen Herausforderungen. Als wir beschlossen hatten, diese Hippie WG Erfahrung zu machen, änderte sich mein Verhalten. Die Männer, die hier alle herumliefen, versuchten sich unsichtbar zu machen. Wenn ich in der Küche mir einen Tee machte, dann kam ein Mann ohne zu Grüßen herein, holte sich etwas aus dem Kühlschrank und verschwand wortlos wieder. Das konnte es ja nicht sein. Ich sprach daher jeden, der mir über den Weg lief direkt an uns stellte mich vor. Die Leute waren ganz überrascht und unsicher, dass ich sie angesprochen hatte. So erfuhr ich, dass hier auch Leute seit Monaten und Jahren hier wohnten, die tagsüber arbeiteten. Ein junger Mann aus Lybien, der hier Arbeit und Frieden hat und all sein Geld an die Familie schickt, Es gibt hier viele Menschen, die in Dubai ein besseres Leben suchen, Geld verdienen wollen, um die Familie, die daheim geblieben ist, zu versorgen. Sie können es sicht nicht leisten, dass sie nachkommt. Das Leben hier ist einfach zu teuer. So gibt es einen algerischstämmigen Franzosen, der hier versuchte, eine Arbeit zu finden, denn als Muslim hat er in Paris momentan schlechte Karten. Aber auch hier klappt es nicht und er wird wieder nach Paris zu seine Familie zurückkehren. Wir haben einen sehr netten Nigerianer kennengelernt, der hier studiert hat und nun hier arbeitet. Morgens um 5.00 steht er auf und kommt erst abends um 19.00 Uhr wieder zurück. Dann gibt es noch diesen Inder, der machmal auf dem Sofa schläft und hier auch „irgendwie“ wohnt. Der nette Nigerianer schläft im Zimmer neben uns und teilt sich seine Ecke noch mit einem anderen Jungen aus Skandinavien. In der Ecke ist nochmal ein Stockbett, so dass dort sogar 3 Leute untergebracht werden könnten. Im anderen Zimmer sind 4 Betten auch wieder mit einem Parvanat abgetrennt. Ich kam auf 13 Leute, die hier leben. Dafür, dass es nur 2 Bäder und 1 WC gibt, ist das sportlich. Wie meinte der eine indische Arzt, der für ein paar Tage hier war, da er auf einer Messe war, „this is a smart as…“ Ich lächelte ihn nur an. Ach ja. Es gibt noch 2 riesige weiße Perserkatzen, die gerne auf dem Klodeckel liegen, wenn das Bad mal frei ist…. und liebend gerne morgens und nachts laut miauen.

Mittlerweile haben wir uns mit der Wohnsituation arrangiert, d.h. wir schlafen länger und gehen später ins Bett, dann stört das Licht nicht so und zum Lernen geht’s morgens zu unserem Stamm-Inder. Da frühstücken und Lernen wir, denn in der Küche ist kein Platz. Aber es ist echt hart, hier hat es kein Fenster, null Tageslicht. Ich fühle mich manchmal wie eine Laborratte. Es ist mir ein Rätsel, wie Menschen so monate- oder jahrelang leben können.

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