No more Hiroshimas!

Das Friedensmuseum in Hiroshima zu besuchen, war Flo und mir sehr wichtig. Ich war bereits zweimal dort und mich hat der Besuch jedes Mal sehr berührt. Es ist einfach etwas völlig anderes über Dinge zu lesen oder Filme anzuschauen, wie wenn man tatsächlich an diesem Ort ist und vor echten Gegenständen steht. Auf diese Weise kann man Geschichte erfahren.

Am Eingang standen viele, viele Schulkinder in Uniform. In Japan gehört es für die Kinder zum Pflichtprogramm, das Museum zu besuchen. Es waren auch viele ausländische Touristen unter den Besuchern. Am Eingang war ein großes Panoramafoto in schwarzweiß zu sehen: Hiroshima 1945 vor dem Abwurf der Atombombe. Dann folgte ein Foto mit einer Uhr 8:15 und dem Datum 6. August 1945. Der Zeit, in der die Bombe gezündet wurde.

Im Vorraum gab es einen Bereich, in dem Zeitzeugen über den 6. August 1945 berichteten. Flo und ich übersetzten jeweils die englischen Untertiteln den Kindern. Silas und Cayo waren sehr interessiert und stellten viele Fragen. Ich übersetzte für Cayo. Er fragte sehr viel, so dass mir erst da so richtig klar wurde, dass er gar nichts darüber wusste, was ein Atombombenabwurf bedeutet. Klar, woher sollte er es denn auch wissen? „Warum hingen den Menschen die Hautfetzen vom Körper? Warum war überall Feuer? Warum überlebten Menschen direkt im Zentrum des Abwurfs und andere, weiter weg, waren sofot tot?“

Ich hatte mich als Jugendliche sehr ausführlich mit dem Thema beschäftigt: „Die letzten Kinder von Schwebenborn“ und „Die Wolke“ und viele andere Bücher gelesen.

Aber auch mir, die schon viel gelesen und gesehen hatte, gingen die Berichte der Zeitzeugen unter die Haut. Am meisten die Berichte der Kinder, die damals in Cayos und Silas Alter waren.

Am Anfang der Ausstellung wurde über die Herstellung der Atombombe berichtet und welche Städte ursprünglich in Frage gekommen waren. Darunter auch Kyoto und Yokohama. Da wir erst vor ein paar Tagen in Yokohama waren, hatte dies für uns gleich eine ganz andere Bedeutung.

Ich sah immer wieder in den Augen der Kinder nur ein Wort: WARUM?

Warum wurde so etwas getan?

Warum wurde nur 3 Tage später eine zweite Atombombe gezündet?

Warum gibt es so viel Grausamkeit?

Warum hat dies niemand verhindert?

Warum wurden nicht alle Atomwaffen vernichtet, wenn sie so viel Schaden anrichten?

Warum gab und gibt es so viel Atomwaffen, die nie alle abgeworfen werden könnten?

Warum haben immer mehr Länder Atomwaffen, statt weniger Länder?

Warum werden überhaupt noch Atomwaffentest durchgeführt?

Warum braucht man überhaupt Atomwaffen?

Es berührte mich sehr, die Gegenstände zu sehen, die eine Geschichte erzählten. Da gab es bspw. ein Dreirad, das einem kleinen Jungen gehörte, der vor dem Haus spielte, als die Bombe fiel. Er starb und sein Vater begrub ihn im Garten des Hauses. In sein Grab legte er sein Lieblingsspielzeug, sein Dreirad. Erst viele Jahre später wurde der Leichnam in das Familiengrab überführt und dabei wurde das Dreirad gefunden und dem Museum gestiftet.

Da Teile des Museums momentan renoviert werden, konnten wir nicht alles anschauen. Ich erinnere mich daran, wie sehr ich geschockt war, als ich vor einer Betontreppe stand und die Erläuterung las. Erst auf dem zweiten Blick verstand ich, warum sie hier stand. Auf den Stufen ist ein leichter Schatten zu erkennen. Als die Bombe abgewprfen wurde, saß zu dieser Zeit ein Mensch auf der Treppe. Durch die Hitze wurde der Mensch in den Beton eingebrannt. Es blieb nur ein Schatten von ihm übrig, mehr nicht. Ich weiß noch genau, wie ungläubig ich vor der Treppe stand. Heute konnten wir nur ein Foto der Treppe sehen, denn die Treppe steht in dem Teil des Museums, das renoviert wird.

Yuko hatte mir bereits vor ein paar Tagen erzählt, dass Barack Obama 2016 als erster amerikanischer Präsident nach Hiroshima gereist ist. „Wir achten Obama daher sehr.“ Obama hat auch zwei Kraniche gefaltet, die er dem Museum übergeben hat. Seine Reden, die er in Hiroshima gehalten hat, konnte man als Buch im Museumsshop kaufen. Und die Kraniche sind zusammen mit seinem Eintrag ebenfalls im Museum ausgestellt.

Cayo wurde es sehr schnell zu viel. „Ich will hier raus, sonst bekomme ich Albträume.“

Auch Silas war die Fülle an Informationen und auch die Grausamkeit ein wenig zu viel. Es sit für sie einfach so etwas von unverständlich, dass solche Dinge absichtlich getan werden, dass sie damit nicht so richtig klarkommen.

Wir Erwachsenen haben uns wohl schon viel zu sehr an diese „Unverständlichkeiten“ gewöhnt, denken, wir können ja sowieso nichts dagegen tun und nehmen es einfach hin.