Mit Sack und Pack in El Alto

Der Taxifahrer setzte uns und unser Gepäck an einer der Stationen der Gondeln ab und da saßen wir nun im fetten Sonnenschein. Flo schaute sich mit Silas um, ob Victor vielleicht an einem anderen Ausgang wartete. Cayo, das Gepäck und ich saßen am stinkenden , vermüllten Straßenrand. Die Indios schauten uns seltsam berührt an. Cayo war müde und hatte echtes Heimweh. Er wünschte sich auf der Stelle eine Brezel, am besten mit Butter, Schnittlauch und Salz bestrichen, eine heiße Dusche oder noch besser ein heißes Bad und eine Toilette, in der man das Toilettenpapier endlich einfach runterspülen konnte, statt in den Mülleimer daneben zu tun. Sein Vorschlag war, dass wir über Weihnachten bzw. zur Weihnachtsfeier der Schule für 1 Woche nach Deutschland fliegen und dann wieder weiterreisen. Ich konnte sein Heimweh nur allzugut verstehen. Im Spaß hatten wir alle angefangen, wenn uns das Heimweh plagte, uns an das Mähen und Meckern der kleinen Seelöwenbabys zu erinnern, die immer ihrer Mutter hinterherliefen. Genau so fühlten wir uns in dem Moment. Es fing dann zu tröpfeln an, hörte aber zum Glück bald wieder auf. Ich fragte mich kurzzeitig, was für ein Gottvertrauen haben, mitten in El Alto mit allem Hab und Gut zu sitzen, ohne eine Ahnung zu haben, wo wir unterkommen werden. Waren wir durch die Reise so sehr gechillt?

Dann hielt endlich ein Auto, Victor stieg aus und fuhr uns an den Stadtrand von El Alto. An einem großen Tor hielt er an. Das Gelände ist mit hohen Mauern umgeben und oben drauf ist noch ein extra Zaun. So auf den ersten Blick fühlten wir uns schon etwas eingesperrt. Doris kam sogleich und begrüßte uns. Zusammen mit Daniel, der vor 18 Jahren die Idee hatte und das Projekt begonnen hatte, arbeiten sie hier, um Kindern aus der Straße zu helfen. Wir bekamen unser Zimmer gezeigt, gleich neben den Schlafräumen der Jungs. Zur Zeit leben hier 8 Jungs, der Kleinste ist 11 und die anderen sind so um die 17 Jahre alt. Alles so richtig nette Jungs. Gegen Nachmittag spielten alle zusammen Fußball, in der betonierten Fussballhalle. Doris zeigte uns das riesige Gelände. Es gibt hier Gewächshäuser, eine Schneiderwerkstatt, eine Metallwerkstatt, eine Küche mit einem großen Esstisch etc. Es gibt hier zwei Lamas, jede Menge Kaninchen, 14 kleine Babykaninchen, Hühner, 1 Schaf und 2 Lämmer, 2 Hunde und eine Mini Babykatze, die die Kinder mittlerweile adoptiert haben. Die Katze jedoch liebt Flo und schnuffelt sich in jeder freien Minute zu ihm! Wir waren von der Fahrt und der Höhe (hier sind wir auf 4300 m) erst einmal kaputt und müde. Sobald hier die Sonne weg ist, wird es so richtig kalt. Bin ja echt gespannt, wie wir mit der Kälte hier zurecht kommen. Es gibt hier ja keine Heizung.

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