Das Leben hier ist geprägt von einem sehr engen Zeitplan: 6:30 aufstehen, 7:00 Früstück, 7:30 Zimmer aufräumen und Putzen,…. das geht dann bis 20:30 Abendessen, danach kommt dreimal die Woche Fernsehschauen, einmal Brettspiele, einmal Computerspiele und einmal Englsich und um 22:00 ist das Licht aus. Es macht sicherlich Sinn, den Jungen einen festen Rahmen zu geben, so dass sie wissen, was auf sie zukommt und ihr Tag strukturiert ist. Für uns war das eine riesige Umstellung, da wir es ja mehr als gewohnt sind, unseren Tag selbst zu strukturieren und nach den Monaten auf Reise sowieso. Das war eine der größten Herausforderungen hier im Projekt. Zudem haben wir den Eindruck, dass die Balance zwischen Arbeiten an einem Projekt, wie bspw. der Bau des neuen Speisesaals und dem Lernen nicht wirklich stimmt. Wir finden, dass die Jungs ganz schön viel arbeiten. Die Deadline der Eröffnung des Speisesaals rückt immer näher und so wurde der aufgestellte Stundenplan einfach von Tag zu Tag verändert. Als es abends Englisch geben sollte, hieß es beim Tee, dass Englisch ausfallen würde, um am Speisesaal weiterzuarbeiten. Flo konnte sich nicht zurückhalten und sprach an, dass das Lernen zugunsten des Arbeitens momentan zurückstecken muss. Wo doch eigentlich die Bildung die Sache wäre, die den Kindern am meisten bringen würde. Es kam zu einer Diskussion um am Ende holte der Leiter alle Jungs zu sich ins Büro und die Jungs konnten 1 Stunde Englischunterricht machen (statt wie geplant 1,5 Stunden). Wir fühlen uns hier im Projekt etwas hilflos, da wir uns für die Jungs wünschen, dass sie etwas mehr Freiheiten haben (bspw. Internetzugang, oder die Möglichkeit, ihre Familien häufiger zu sehen). Die Welt hinter den Mauern hier ist völlig abgetrennt von der Welt da daraußen. Das ist mit Sicherheit sehr sinnvoll, denn hier haben die Kids ein Dach über dem Kopf, zu essen und Menschen, die sich um sie kümmern. Wir fragen uns, wie die Jungs lernen wollen, da draußen außerhalb der Mauern zu leben, wenn sie ihre Schule abgeschlossen haben, wenn sie nie die Chance gehabt hatten, sich an das Leben da draußen zu gewöhnen?